October 12, 2026
Der Euro ist im Oktober 2026 auf ein 17-Monats-Tief gegenüber dem US-Dollar gefallen. Für Unternehmen, die Waren, Rohstoffe oder Vorprodukte in US-Dollar einkaufen, kann ein schwächerer Euro die Beschaffungskosten erhöhen.
Für den Einkauf stellt sich damit eine strategische Frage: Wie lassen sich Währungsrisiken begrenzen, ohne die eigene Beschaffungsstrategie unnötig einzuschränken? Neben finanzieller Absicherung können dabei Vertragsgestaltung, Lieferantenauswahl und ein genauerer Blick auf die tatsächliche Währungsexponierung eine Rolle spielen.

Am 5. Oktober 2026 fiel der Euro auf ein neues 17-Monats-Tief gegenüber dem US-Dollar. Laut einem Bericht der Financial Times vom selben Tag standen unter anderem die anhaltend hohen Energiepreise und die Haushaltsrisiken in Frankreich hinter der Kursentwicklung.
Für den Einkauf im DACH-Raum ist vor allem die mögliche Auswirkung auf Beschaffungskosten relevant. Werden Waren oder Dienstleistungen in US-Dollar eingekauft, kann ein schwächerer Euro den in Euro umgerechneten Preis erhöhen – selbst wenn sich der Dollarpreis der Ware nicht verändert.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch von der jeweiligen Beschaffungskategorie, der Vertragsgestaltung und bestehenden Währungsabsicherungen ab.
Für Einkaufsorganisationen wird es deshalb wichtiger, die eigene Währungsexponierung genau zu kennen und mögliche Auswirkungen auf Kosten und Margen frühzeitig zu bewerten.
Besonders relevant ist die Entwicklung bei Rohstoffen und Energie, deren internationale Preisbildung häufig in US-Dollar erfolgt. Ein veränderter Wechselkurs kann sich dadurch zusätzlich zu den eigentlichen Marktpreisen auf die Beschaffungskosten auswirken.
Deutsche Industrieunternehmen, die auf importierte Rohstoffe, Vorprodukte oder Komponenten angewiesen sind, sollten deshalb nicht nur die Entwicklung der jeweiligen Rohstoffpreise beobachten. Auch der Wechselkurs kann einen wesentlichen Einfluss auf die tatsächlichen Kosten in Euro haben.
Dabei lohnt sich eine differenzierte Betrachtung: Nicht jede Beschaffung aus dem Dollar-Raum ist automatisch einem hohen Währungsrisiko ausgesetzt. Langfristige Verträge, festgelegte Wechselkurse oder bestehende Hedging-Strategien können die Auswirkungen deutlich reduzieren.
Für den Einkauf bedeutet das: Währungsrisiken sollten Bestandteil der gesamten Kostenbetrachtung sein – nicht erst dann, wenn sich der Wechselkurs deutlich bewegt.
Um den steigenden Importpreisen entgegenzuwirken, benötigt der Einkauf ein strukturiertes Instrumentarium. Eine bewährte Methode ist die Implementierung flexibler Währungsklauseln in Lieferantenverträgen. Diese Klauseln ermöglichen es, Preisanpassungen bei starken Kursschwankungen automatisch aufzuteilen. Eine weitere Option ist das sogenannte Dual-Currency-Pricing, bei dem Angebote in zwei Währungen eingeholt werden, um Wechselkursrisiken besser zu verteilen.
Mittelfristig gewinnt das europäische Local Sourcing an Bedeutung. Durch die Verlagerung von Lieferketten in den Euroraum kann das direkte Währungsrisiko reduziert werden. Unternehmen sollten im Rahmen eines proaktiven Supply Chain Risk Management prüfen, welche Lieferanten im europäischen Ausland als Alternative infrage kommen. Für den Mittelstand ist zudem eine enge Abstimmung mit der Treasury-Abteilung ratsam, um die Währungsabsicherung in der Beschaffung durch Termingeschäfte oder Optionen strategisch zu unterstützen.
GEP Quantum Intelligence hilft Einkaufsteams, Lieferanteninformationen und Risikosignale zusammenzuführen, kritische Abhängigkeiten sichtbar zu machen und Maßnahmen einzuleiten, bevor aus einem Risiko eine operative Störung wird.